Ist das Angebot fair? 7 Punkte, die Sie beim Handwerkerangebot prüfen sollten
Die Checkliste für Bau- und Handwerkerangebote vor der Unterschrift: Leistungsumfang, Mengen, Pauschalen, Ausschlüsse, Zahlungsplan und Vertrag.
Das Ingenieurteam von WeDraftItVeröffentlicht am 3 Min. LesezeitMarkt: DE, AT, CH

Endlich liegt das Angebot für Ihren Anbau, Ihre Sanierung oder Ihren Neubau vor. Vielleicht sogar drei. Die Summen weichen stark voneinander ab, jedes sieht anders aus, und Sie fragen sich: Ist das ein fairer Preis?
Die gute Nachricht: Sie müssen kein Bauprofi sein, um ein Angebot zu prüfen. Sie müssen nur wissen, wo Sie hinschauen. Das sind die sieben Punkte, die wir zuerst prüfen, wenn uns Bauherren ein Angebot schicken.
1. Ist der Leistungsumfang vollständig?
Die teuersten Überraschungen entstehen nicht durch hohe Preise, sondern durch fehlende Leistungen. Ein Angebot kann günstig wirken, weil es Positionen weglässt, die später als Nachträge zurückkommen.
Vergleichen Sie das Angebot Raum für Raum mit Ihren Plänen:
- Sind Abbruch und Entsorgung enthalten?
- Was ist mit Gründung, Entwässerung und dem Anschluss an den Bestand?
- Sind Elektro, Sanitär und Heizung enthalten oder „bauseits“ bzw. durch andere Gewerke?
- Welche Oberflächen (Estrich, Bodenbeläge, Malerarbeiten, Fliesen) und in welcher Qualität?
- Wer übernimmt Gerüst, Baustelleneinrichtung und Endreinigung?
Wenn Sie nicht erkennen, ob etwas enthalten ist, gehen Sie davon aus, dass es fehlt, und fragen Sie nach.
2. Sind Mengen angegeben und plausibel?
Ein gutes Angebot ist als Leistungsverzeichnis aufgebaut, mit Mengen und Einheitspreisen: m² Bodenbelag, m² Mauerwerk, Stückzahl Fenster. So lassen sich Angebote vergleichen und Fehler erkennen.
Prüfen Sie einige Mengen anhand Ihrer Pläne. Hat Ihr Anbau 25 m² Fläche, das Angebot aber 35 m² Bodenbelag, fragen Sie nach. 5–10 % Verschnitt sind normal, deutlich mehr nicht.
3. Vorsicht bei Pauschalen und Eventualpositionen
Pauschalen, Stundenlohnarbeiten oder Eventualpositionen (Bedarfspositionen) stehen für Leistungen, deren Umfang noch offen ist. Einige sind normal, aber:
- Niedrig angesetzte Budgets lassen ein Angebot günstiger wirken. Sind für die Küche 6.000 € eingeplant und Ihre Wunschküche kostet 15.000 €, zahlen Sie die Differenz.
- Viele offene Positionen bedeuten, dass der tatsächliche Preis unbekannt ist. Treffen Sie möglichst viele Entscheidungen vor Vertragsabschluss.
4. Liegen die Einheitspreise im üblichen Rahmen?
Sie müssen nicht jeden Preis kennen. Einige Einheitspreise sagen viel: m² Mauerwerk, m² Fliesen, Fenster inklusive Einbau, Stundensatz. Vergleichen Sie sie zwischen den Angeboten und mit den regionalen Preisen.
Ein deutlich höherer Preis kann ein Risiko abbilden, das der Betrieb erkannt hat, oder schlicht volle Auftragsbücher. Ein deutlich niedrigerer Preis kann auf ein Missverständnis hindeuten oder darauf, dass der Betrieb später über Nachträge nachverdienen will.
5. Was ist ausgeschlossen, was wird angenommen?
Lesen Sie Vorbemerkungen, Ausschlüsse und Annahmen genau, oft stehen sie im Kleingedruckten:
- „Ohne Felsaushub“ oder „tragfähiger Baugrund vorausgesetzt“
- „Ohne Leistungen gemäß Statik“
- „Ohne Erweiterung des Hausanschlusses“
- „Angebot gültig 4 Wochen“
Jeder Ausschluss ist ein mögliches Kostenrisiko. Fragen Sie, wie er abgerechnet würde.
6. Zahlungsplan und Vertrag
Ein fairer Zahlungsplan folgt dem Baufortschritt. Vorsicht bei:
- hohen Vorauszahlungen vor Baubeginn;
- Zahlungen nach Datum statt nach abgeschlossenen Leistungen;
- fehlendem Sicherheitseinbehalt. Beim Verbraucherbauvertrag nach BGB sind Abschlagszahlungen begrenzt und Bauherren haben Anspruch auf Sicherheiten.
Prüfen Sie auch Ausführungsfristen, den Umgang mit Nachträgen, die Gewährleistung (ob BGB oder VOB/B vereinbart ist), die Betriebshaftpflicht und ob die Preise brutto oder netto angegeben sind.
7. Vergleichen Sie Gleiches mit Gleichem
Legen Sie bei mehreren Angeboten eine Tabelle mit denselben Zeilen an: Abbruch, Gründung, Rohbau, Dach, Fenster, Elektro, Sanitär, Heizung, Ausbau. Leere Felder zeigen Lücken, große Abweichungen zeigen, wo Sie nachfragen sollten.
Genau hier hilft eine unabhängige Kostenschätzung: Sie liefert eine Referenzspalte auf Basis Ihres Projekts, nicht auf Basis eines Angebots.
Warnsignale
- Druck, schnell zu unterschreiben („Sonderpreis nur heute“)
- Eine einzige Pauschalsumme ohne Aufschlüsselung
- Nur Barzahlung oder kein schriftlicher Vertrag
- Keine Adresse, keine Versicherung, keine Referenzen
Bevor Sie unterschreiben
Eine sorgfältige Prüfung spart oft ein Vielfaches ihrer Kosten und gibt Ihnen Sicherheit bei der Wahl des Betriebs. Für eine zweite Meinung bieten unsere Ingenieure eine Angebotsprüfung an: Preise, Mengen, fehlende Leistungen und eine Liste mit Fragen an den Betrieb. Oder starten Sie mit unserem kostenlosen Baukostenrechner, um die Größenordnung Ihres Projekts zu kennen.
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